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VORGESCHICHTE:

Ich besitze seit einiger Zeit eine sogen. FOCKE WULF 190 (siehe Flugzeuge) die durch einige seltsame Auffälligkeiten besticht:
1. Die getrennten Höhenruderblätter sind beide für die rechte Seite
2. Die Randbögen der Fläche unterscheiden sich durch 10mm in ihrer Tiefe
3. Die Kabinenhaube ist lila (?) eingefärbt
4. Die Kabinenhaube passte nicht
5. Die Querruderblätter sind dilettantisch gefertigt
6. Der Tarnanstrich hielt von 12.00 Uhr bis mittags
Dieses Modell stammte von der Fa. JAMARA
So weit, so gut.


Bestochen durch ein kleines Bildchen der EXTRA 300 in der DMFV-Mitgliederzeitschrift, übrigens ganz große Klasse das Blatt, bestellte ich bei STAUFENBIEL dieses Teil online für 279,- DM zzgl. Versand. Alsbald traf der riesige Baukasten auch ein und entblöste seinen unversehrten Inhalt (Bild 1). Bei nächster Gelegenheit machte ich mich ans Werk des Zusammenbaus. Die ersten Falten auf meiner Stirn entstanden bei der Betrachtung der Servoschächte (Bild 2) in der Fläche. Diese waren rechtwinklig zur schrägen Endleiste, also schräg zur anströmenden Luft. Jeder nur halbwegs informierte Modellflieger würde eine solche Einbaulage vermeiden.


Standardservos sollten in die beiliegenden Schnellbefestigungen eingesetzt werden. Schade, dass die Schächte nicht nur schräg, sondern auch noch zu weit hinten im dünneren Bereich der Fläche eingebracht wurden. Die Servos, bzw. die zusammengeschraubten Befestigungen fanden Widerstand in der Beplanckung (Bild 3), drückten sich also dermaßen ins Holz, dass sich auf der Flächenoberseite hässliche Beulen bildeten. Die Befestigungen wurden an den relevanten Stellen runtergeschliffen.

Da die zweifarbige Folie nicht aus einem Stück besteht, sondern erst Gelb und dann Blau aufgebügelt wurde, entstanden optisch nicht sehr ansprechnede großflächige zerschrammte Bereiche (Bild 4) der blauen Folie, die vom offensichtlich nicht ganz glatten Bügeleisen herrührten.


Die Dämpfungsfläche vom Seitenleitwerk passte nicht einmal annähernd auf Anhieb in den Rumpfschlitz. Versuchte man dies mit purer Kraft zu bewerkstelligen, so hätte später oder auch früher das Holz reißen können. Bei dem trotzdem angestellten Versuch des Einschiebens stellte sich heraus, dass der Schlitz auch noch um 6 mm zu kurz für das Leitwerk gefertigt wurde (Bild 5). Hier wurde also nachgearbeitet.

Will man die Dämpfungsfläche im Rumpfschlitz verkleben, so treten erhebliche Bedenken auf, wenn man feststellt, dass reichlich wenig zu verklebene Fläche am besagten Teil vorhanden ist. Im wichtigen Rumpfbereich (Bild 6) fehlt nämlich das Material. Hoffentlich nimmt mir das Leitwerk ein wenig Messerflug nicht übel.


Das Fahrwerk samt der Pantöffelchen ist schon rein optisch zu klein geraten (Bild 7). Der Alubügel soll mit drei Schrauben befestigt werden. Die mittlere Bohrung im Bügel musste nach vorne erweitert werden, da das Teil nicht passte. Der zur Verfügung stehende Ausschnitt im Rumpfboden zur Aufnahme des Fahrwerks weist deutlich darauf hin, dass hier ein weitaus größeres Fahrwerk seinen Platz finden kann.

Die beiden Enden des Alubügels ließen sich absolut nicht in die vertieften Aufnahmen (Bild 8) der Radkästen einfügen, da sie zu lang waren. Die Enden mussten um ca. 1 cm gekürzt und die Löcher für die Achsen neu gebohrt werden. Abgesehen davon, war ein Ende des Bügels breiter als das andere und musste passend zurechtgefeilt werden.


Die Schlitze für die Scharniere der Querruder waren mit den Maßen von 9 cm Länge und 3 cm Tiefe bestimmt nicht zu klein. Was hier an Kleber verschwand, ging in keine Spritze.

Das Tragflächenoberteil, das über der Tragfläche (Mitteldecker) seinen Platz finden sollte, wies eine vorderseitige Befestigung in Form eines allseits beliebten und durchaus tauglichen Holzdübels auf. Vorne eben. Und was war mit hinten? Hier konnte der eifrige Bastler seine Kreativität spielen lassen. Es war nämlich keine hintere Befestigung (Bild 9) vorgesehen.

Hatte man die Fläche am Rumpf befestigt, so mochte man nun das Rumpfoberteil darüber legen und den vorderen Dübel in das Loch stecken - ging nicht. Das Oberteil hätte so stark mit seinen vorderen spitzen Ecken nach unten in die Fläche gedrückt werden müssen, bis die Beplankung der Fläche gebrochen wäre. Der Dübel musste gekürzt und die besagten Ecken etwas runtergeschliffen werden.


Die bereits vorgefertigten Bohrungen im Motorspant (Bild 10) samt eingeschlagener Muttern forderten regelrecht zum schnellen Anschrauben des Motorträgers samt Motor auf. Doch Vorsicht: leider wurde weder Motorsturz noch Seitenzug dabei eingeplant. Also, Einschlagmuttern rausgeschlagen, Löcher verstopft, für die Motorneigungen alles neu vermessen, neu gebohrt, Muttern eingeschlagen - schon fertig.

Trotz der Versprechung des Vorhandenseins aller Kleinteile, fehlten die Schrauben zur Befestigung des Motorträgers.


Die Flächentiefe ist zu gering und das Seitenleitwerk ist viel zu klein geraten. Es entsteht der Eindruck, die JAMARA-EXTRA wurde durch die Vorlage eines einzigen Fotos gestaltet. Eine geringe V-Form in der Tragfläche (Bild 11) ließ mich an einem Messerflug zweifeln, der nur durch das Seitenruder gehalten werden sollte. Tatsächlich gelingt dies auch nicht. Im JAMARA-Video über das Modell, ist ganz kurz ein sauberer Messerflug zu sehen, aber schließlich gibt es heute Computersender mit denen man locker die Unzulänglichkeiten "wegmischen" kann. Inzwischen wurde von mir nach dem Motto: "Weniger ist mehr", die V-Form durch einen beherzten Sägeschnitt (Bild 12) aus der Fläche entfernt und der Seitenruderausschlag verringert. Nun kann auch der Messerflug den Piloten und den Betrachter erfreuen.

Der Tank ist zwar schön groß, aber passte aufgrund seiner Länge so knapp in den Tankraum, dass man auf eine Schaumstoffeinlage vorne, sowie hinten verzichten musste. Dadurch scheuert später Plastik an Holz. Wollte man den Tank obendrein auch noch waagerecht, wie es sich gehört in seiner Position lagern, so verschloss der Tankboden von innen die Bohrung für den Zapfen der Tragfläche. Ergo hieß es, den Tank schräg einzubauen, oder den Zapfen bis auf 5 mm Länge kürzen. Beides nicht das Gelbe vom Ei. Die dritte Lösung lag im Vergrößern des runden Loches im Motorspant. Der Verschluss des Tanks kann dann saugend gelagert werden, hinten und vorne war Platz für Schaumgummi.

Beim Anbringen der auf den ersten Blick für tauglich zu haltenden Ruderhebel an den Querrudern, fiel ein stark unterschiedlicher Härtegrad des Holzes auf. Während das eine Ruder fast annehmbar hart war, drückte sich das Anlenkungshorn beim Festschrauben in das butterweiche Balsaholz des anderen Ruders. Es hätten in diesem Bereich harte Holzeinlagen vorhanden sein müssen um die Hebel sicher befestigen zu können. Meine Lösung bestand darin, das nun zerdrückte Holz mit Wasser wieder aufquellen zu lassen um nach dem Trocknen mit einer Insulinspritze dünnen Sekundenkleber in den entsprechenden Bereich zu injizieren. Nun war das Holz zwar hart, aber nach dem Anschrauben der Hebel zeigte sich, dass diese, bedingt durch die zwei schräg gegenüberliegenden Flächen (Querruderquerschnitt), an der Hinterkante keinen Kontakt zum Ruder hatten. Hier musste dann eine dritte Schraube angebracht werden.

Keines der drei Räder wies den von anderen Herstellern gewohnten Rundlauf auf. Erhebliche Querschnittsdifferenzen bei den Moosgummireifen lassen die Räder optisch eiern. Das Spornrad eiert ebenfalls. Zum Glück macht sich dieser Umstand in der Praxis nicht bemerkbar.

Nähere und längere nachdenkliche Betrachtungen des nun fast fertigen Modells veranlassten mich, aus dem Internet einige Fotos und Skizzen einer EXTRA 300 S herunterzuladen, diese in einem Bildbearbeitungsprogramm mit meiner abgelichteten EXTRA in Deckung zu bringen und festzustellen:
Da stimmt proportionsmäßig aber auch garnichts. Der Rumpf ist zu lang, besonders vor dem Fahrwerk; er ist von oben und von der Seite betrachtet zu schmal.


Und nun die vielleicht vermisste Kernfrage der Geschichte:
Was nutzt mir ein Schnellbaukasten, wenn die in Aussicht gestellte ersparte Zeit, durch den Begriff "ARF", in solche Unzulänglichkeiten investiert werden muss? Der Begriff ARF (Almost Ready to Fly verweist darauf, dass andere Leute, z.B. die Konstrukteure des Modells, sich bereits den Kopf darüber zerbrochen haben, welches Teil wie , wo, oder überhaupt in Frage kommt, mit in den Baukasten zu wandern. Bastler basteln gerne. Das stimmt. Aber solche "Bastelarbeiten" sind nicht nur überflüssig, sondern zeugen auch von einem etwas nachlässigen Interesse des Vertreibers über die Qualität der Ware. Der Baukasten könnte an Wert gewinnen, wenn nicht irgendwelche ungefähr passenden Teile oder Restbestände zusammen gewürfelt würden, sondern einfach die absolut passenden Teile den Bausatz komplettieren täten. In diesem Auslieferungszustand erzeugt der Baukasten nur Ärger. Niemand verlangt, für das Geld ein Scale-Modell zu bekommen, aber es wird doch keine Hürde sein, wenigstens die prägnanten Merkmale in einem "vorbildähnlichen" Modell zu verwirklichen. Prägnant ist eigentlich nur die Pilotenhaube gelungen; mehr leider nicht.

Und ganz ehrlich bemerkt:

Hätte ich vorher gewusst, dass die EXTRA von JAMARA kommt, so hätte ich höchstwahrscheinlich vom Kauf Abstand genommen. Dies wird aber bei STAUFENBIEL mit keinem Wort in irgendeiner Weise oder Stelle erwähnt.

In Zukunft werde ich deshalb auf keinen Fall ein Modell aus dem Hause JAMARA erstehen; jedenfalls nicht absichtlich.

Mängelliste EXTRA 300 S ARF:

  • 1. Folie zerschrammt
  • 2. Fahrwerk zu klein
  • 3. Falsche Radkästen
  • 4. Bohrung am Fahrwerk falsch
  • 5. Ein Ende des Fahrwerkbügels ist breiter als das andere
  • 6. Servoschächte ganz falsch plaziert
  • 7. Bohrungen im Motorspant nicht zu gebrauchen
  • 8. Rumpfschlitz für Leitwerk 6 mm zu kurz
  • 9. Die Schlitze für die Scharniere sind viel zu groß
  • 10. Kein Hinweis zur Befestigung des Flächenoberteils
  • 11. Flächenoberteil passt nicht in seine Position
  • 12. Klebeflächen vom Seitenleitwerk zu klein
  • 13. Befestigungsschrauben für den Motorträger fehlen
  • 14. Tankposition schlecht
  • 15. Ruderhörner nur bedingt zu gebrauchen
  • 16. Alle Räder eiern
  • 17. Modell hat nichts mit dem Vorbild zu tun
  • 18. Zierstreifen kleben nicht; allenfalls durch statische Aufladung
  • 19. Messerflug ist nicht möglich
  • 20. Holz fehlt an wichtigen Stellen und ist auch zu weich.
  • NACHTRAG:

    Inzwischen hat die EXTRA nur ca. 12 Flüge hinter sich gebracht und kann einen erstaunlichen, überwältigenden Pluspunkt auf ihrem Konto verbuchen. Man mag es kaum glauben, aber das Modell lässt sich kinderleicht mit einer abgebrochenen Höhenleitwerkshälfte landen. Diese brach im Fluge einfach ab, flatterte fröhlich im Winde dahin und landete einen Tick früher als das Modell selbst. Eigentlich habe ich diese Gemeinheit eher dem Seitenleitwerk zugetraut, aber nun kam es unverhofft doch anders. Wie beim Seitenleitwerk fehlt im Bereich des Rumpfs belastungsfähiges Material in Form von Holz.

    Ich habe mich entschlossen, das Teil wieder anzuflicken und dann das Leitwerk mit Abstützungen oder Verspannungen zu versehen.

    Desweiteren bin ich sehr gespannt auf die nächsten Überraschungen, die mir die EXTRA von
    JAMARA bieten wird.


    Die Extra ist nun wieder repariert. Durch verdübeln mittels Kohlefaserstäben, die bis in die andere Hälfte des Höhenleitwerks ragten, glaubte ich, die Angelegenheit wäre erledigt. Oberhalb des Leitwerks angebrachte Verspannungen sollten die letzte Sicherheit gewährleisten. Leider war dem nicht so. Beim vierten Flug an diesem Tag brach dieselbe Hälfte erneut, blieb aber am Modell hängen. Die Verspannung war damit auch gerissen.


    Und hier ist es nun: Das neue Leitwerk. Das Bild zeigt die Probesteckung. Nach der Bespannung mit Folie wurden die Klebeflächen wieder von der Folie befreit und das ganze mit Holzleim eingeklebt. Mal schauen, ob's diesmal hält?

    Durch einen Flüchtigkeitsfehler nach dem Wechseln der Bowdenzüge für das Höhenruder (diese brachen immer weg; einfach so) absolvierte das Modell nach wenigen Flügen mit dem neuen Höhenleitwerk seinen letzten Flug.

    Leider vergaß ich die kleine Schraube vom Servoarm wieder einzuschrauben und so konnte ich ohne viel Zutun den wirklich imposanten Einschlag in 200 Meter Entfernung beobachten. Mensch, hat das gespritzt.

    Da ich sowieso nicht viel Freude mit diesem Modell hatte, habe ich mich entschlossen, bei Gelegenheit die Extra von Graupner zu kaufen. Beim Vereinskameraden machte diese einen guten Eindruck.

    Anfang mich Tierchen Quadrokopter Blade Chroma Flugzeuge Boote Autos Ekranoplan Flairboot Motorräder