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- Kopter abgestürzt? -
Was tun und wie finde ich den wieder?

Verfasst von Günther Grund, Berlin, am 14.11.2015

Hallöchen,

Da ich jüngst las, dass diverse Kollegen ihren abgestürzten Kopter nie wiederfanden, geht’s hier um das halbwegs sichere und schnelle Finden, wenn der Kopter in Sichtweite abgestürzt ist.

Deshalb nehmen wir jetzt an, unser Kopter befindet sich in der Luft, wir sind guter Dinge, aber plötzlich haben wir den Eindruck, mit unserem Dröhnchen stimmt etwas nicht oder wir sind nicht mehr Herr der Lage. Wir rühren, aus welchen Gründen auch immer, wie wild an den Knüppeln des Senders rum, kippen Schalter, drücken Tasten und rühren und rühren …, aber nichts tut sich. Der Kopter stürzt zu Boden und hinterlässt bei uns gefühlmäßig einen Weltuntergang: „Kann doch nicht sein. Wasn da los gewesen? Wer soll das bezahlen? Was ist kaputt und wie teuer wird das wieder?“

Wir nehmen mal an, unserer Kopter ist nach einem Absturz in der Ferne nicht in der Lage sich selbst zu melden, noch von uns durch einen GPS-Tracker aufzufinden. Also was bleibt da noch? Wir müssen einen anderen Weg finden, um den Kopter zu bergen.

Das, was ich jetzt schildere, habe ich selbst mehrmals vor Jahren probiert und es hat immer funktioniert. Auch jetzt bei meinem X4, der vom Wind und mit Vollgas fast 200 m weit weggeweht wurde und hinter einem Baum, in einer Senke im Gras lag. Allerdings besteht der Erfolg der Aktion nicht im stundenlangen Suchen, sondern darin, frühzeitig im Kopf den Beobachtungsmodus zu aktivieren. Das Bewusstsein muss vom Status „Ach, wie schön“ auf „Oh, wie grässlich“ umgeschaltet werden. Ab da wird nur noch rational gedacht und gehandelt.

Das ist mega-oberwichtig.

Im Verlauf des Absturzes und der eigenen Bemühungen der Rettung, kommt irgendwann der Moment, in dem man merkt, es ist zu spät. Genau in diesem Moment spielt nichts mehr ein Rolle, sondern man konzentriert sich auf den abstürzenden Kopter und beobachtet genau wohin er fällt.

Die meisten Bruchpiloten machen dann den Fehler, dass sie erstmal entsetzt oder geschockt reagieren, zumindest ein paar Schritte vor Ärger oder Aufregung durch die Gegend laufen, sich bücken um den Sender abzulegen, sich umdrehen und den Kumpel fragen, ob er das auch gesehen hat, oder ob jemand gesehen hat, wo der runterkam, oder, oder, oder.
Das sind zwar verständliche Reaktionen, aber für die folgende Suchaktion absolut nicht förderlich.

Würde man den armen Tropf dann fragen, wo der Kopter runterging, würde der sagen: Da hinten irgendwo.

Ja genau. Irgendwo. Das heißt in der Praxis – entweder man findet den Kopter nie oder nur mit hohem Zeitaufwand.

Zurück.

Der Kopter fällt also zu Boden, und da wir uns ausschließlich auf die Absturzstelle konzentrieren, ist es jetzt leicht, irgend ein Merkmal in genau dieser Richtung auszumachen und sich das einzuprägen. Wobei es zweitrangig ist, ob das Merkmal vor oder hinter der vermeintlichen Absturzstelle liegt. Es sollte aber in Etwa auf gleicher Höhe liegen. Reicht ein einziges Merkmal nicht, tun wir noch ein zweites dazu, das aber auf der selben Linie liegen muss, sodass wir quasi über Kimme und Korn später das Ziel ansteuern können.

Das ist besonders wichtig, wenn das Gelände unwegsam ist und man durch Umwege von der direkten Linie abweichen müsste. Man kann dann bei der Rückkehr auf die Ideallinie die beiden Punkte wieder in Deckung bringen und weiter marschieren.

Die Entfernung abzuschätzen bringt nichts, denn die stimmt meist nicht.

Merkmale zur Orientierung gibt es immer. Das kann alles Mögliche sein: Ein Busch, ein Baum, ein Turm, eine Furche im Acker, ein Felsen, ein Stück Müll oder Papier, das leuchtet usw..

Es ist also fast ausgeschlossen, dass man den Kopter nicht findet, solange man sich auf der geraden Linie direkt zur Absturzstelle bewegt.

Hat man zu Beginn die Stelle im Kopf notiert, spricht nichts dagegen, den momentanen Standplatz zu verlassen um eine zu rauchen oder ein Gesöff zu sich zu nehmen. Allerdings sollte man den Standplatz vorher am Boden markiert haben.

Eine weitere Variante besteht darin, sich anfangs ebenfalls genauestens die Absturzstelle einzuprägen, aber für die Suche einen Kumpel ins Feld zu schicken. Der latscht dann los und dreht sich alle paar Meter nach dir um, weil er von dir die Richtungssignale bekommt, die er braucht, um auf der Linie zu laufen. Ihr solltet dann vorher die Zeichen absprechen. Linken Arm waagerecht – nach links, umgekehrt nach rechts, beide Arme nachoben – geradeaus, oder so ähnlich.

Hier spielt es dann auch kaum eine Rolle, ob der Kumpel Hindernisse umlaufen muss. Du leitest ihn immer wieder auf die richtige Bahn, weil du ihn und das Ziel im Auge hast.

Falls ihr tauschen wollt, müsste die eingeprägte Absturzstelle dem Sucher haargenau vermittelt werden.

Diese Methode halte ich für die sicherste, schon weil die Absturzstelle für den der lenkt, immer gleich aussieht und sich durch die Annäherung, wenn man alleine suchen muss, nicht verändert.

Oder man steuert den Kumpel per Phone ins Ziel. Geht natürlich auch und ist echt zeitgemäß.

Noch eine Variante wäre die Suche mit einem Kompass. Den hatte ich auch immer dabei und der hatte auch zum Erfolg geführt. Für den Zweck muss man einen Kompass mit Spiegel nehmen.

Über Kimme und Korn wird die Absturzstelle angepeilt und über den angekippten Spiegel gleich danach die Kompassdose so verdreht, dass die Nadel mit der Nordmarke auf das N der Kompassdose zeigt. Man geht los, immer mit Blick auf den Kompass und die Bemühung die Nadel auf N auszurichten. Der Rest ergibt sich fast von alleine. Mit dem Kompass kann man dann auch Bäume oder andere Hindernisse umgehen und kann anschließend sicher den geraden Weg weiterlaufen, vorausgesetzt, der Anschluss liegt nicht mehrere Meter neben der ursprünglichen Linie. Dann läuft man zwar weiterhin gerade, aber parallel daneben und zum Schluss am Kopter vorbei.

Ob eine andere Art Kompass ebenfalls zu gebrauchen wäre, weiß ich nicht. Ich hatte nur den einen.

Also nochmal in Kurzform:

Das Geheimnis des schnellen und sicheren Findens vom Kopter besteht hauptsächlich auf allerhöchster Konzentration kurz vor dem Aufschlag. Danach NIEMALS WEGSCHAUEN, möglichst auch NICHT BLINZELN, solange die Stelle im Kopf nicht abgespeichert ist.

Dann die Stelle durch markante Punkte einprägen, aber auch damit rechnen, dass veränderte Lichverhältnisse das Eingeprägte anders erscheinen lassen können. Ein Busch oder Baum sieht dann bei Sonneneinstrahlung anders aus, als in dem Moment, in dem sich der Schatten einer Wolke über das Eingeprägte schiebt.

Es klingt komisch, aber es kann sein, dass es beim ersten Mal nicht klappt, weil man immer noch den üblichen Ablauf praktiziert. Man muss sich für einen Moment wirklich zusammenreißen und an nichts anderes mehr denken, als sich die Absturzstelle einzuprägen. Dann klappt das auch.

Viel Glück bei der Suche.

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